Training

Alles rund um das Training


Trainingslager 2013 Mallorca

der erste Trainingsblock

Schon immer wollte ich mal ins Trainingslager, nun war die Konstellation günstig und die Reise wurde gebucht. Mallorca ist das Ziel, tolle Wetteraussichten und wahrlich schlechte Bedingungen in Deutschland bestätigten die zwei Wochen Radsportferien zusätzlich.

Recht kurzfristig buchte Teamchef Olaf für uns eine Bleibe in Alcudia, die Nähe zu den Bergen spricht für die Nord-Ost-Küste, wärmeres Wetter an der Westküste sind uns mit den Erfahrungen des kalten Winters fast egal.
Donnerstag reiste ich nach Bad Salzdetfurth an, Freitagmorgen 2:15 Uhr brüllte uns der Wecker aus dem Schlaf. Anschließend ging es mit einem Koffeinschock zum Flughafen Hannover, von wo aus wir in die Sonne schweben wollten.
In die Sonne schwebten wir tatsächlich, doch mit Ankunft in Palma war davon leider gar nichts mehr zu sehen. Zumindest die Temperaturen waren verheißungsvoll, zweistellige Plusgrade waren mehr als wir erwarteten. Nach dem Transfer nach Alcudia wurden die Pferdchen gesattelt und die erste Einrollrunde konnte beginnen.

4h bei anfangs Regen, später tollem Sonnenschein waren eine Wohltat für die erfroren Gemüter, die ersten 108km wurden gebucht. Meine ersten Erfahrungen mit dem Straßenverkehr auf Mallorca waren zudem geradezu gegensätzlich zu diesen, welche man in Deutschland macht. Keiner der Autofahrer fährt Kampflinie, geduldig wartet man Überholmöglichkeiten ab und von der Hupe macht man hier nur als Überholsignal gebraucht, Respekt! Davon könnte sich der "zivilisierte" Straßenverkehr bei uns mal eine große Scheibe abschneiden. Zuguterletzt suchten wir noch die halbe Stadt nach unserem Hotel ab, doch auch diese Hürde konnte genommen werden.
Den Abend verbrachten wir am Buffet bzw. auf der Couch, das Intervallschlafen (1,5h in der Nacht, je 0,5h im Flieger und Bus) waren nicht das, was wir eigentlich gerne benötigen. 22 Uhr war Zapfenstreich angesagt, ab in die stabile Seitenlage und von Sonnenschein geträumt!

Der zweite Trainingstag begann mit einem ungläubigen Blick aus dem Fenster: Sturm, starker Regen und 3° Außentemperatur! "Das darf doch nicht wahr sein", so gingen wir erstmal zum Frühstück, die Zeit würde sicher schon Besserungen bringen. So war es dann auch, nach einem ordentlichen Krafttraining ging es kurz nach 12 Uhr auf die Räder und die 5h Grundlagentraining wurden gestartet. Schutzbleche montierten wir entgegen allen Knigge-Regeln, ein trockener Hintern ist mehr wert als tadellose Optik. Insgeheim sieht das ja jeder Radfahrer, auch die auf der Straße, so, doch manch einer scheint es dennoch zu ignorieren.
Dank unseres Navigationssystems wissen wir nun immer über die Routen Bescheid, doch wenn der Akku leer ist, ist eben der Akku leer. Somit sind wir von der Gesamttrainingsdauer 4:56,1h ohne Orientierung umhergefahren, zum Glück kann man sich auf einer Insel ja nicht sooo sehr verfahren, dachten wir.
Gut nach der Hälfte der Runde erreichte uns dann doch die erste Regenwolke, auch durch unsere Zick-Zack-Orientierungsfahrt ließ diese sich nicht abschütteln und verfolgte uns hartnäckig. Irgendwann hatten selbst wir es satt, in einem Café musste Energie geladen und der Weg erfragt werden, ohne jegliche Spanischkenntnisse gar kein einfaches Unterfangen. Mit Zettel und Stift ging es dann doch, und 1,5h später erreichten wir pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit das Hotel. Kaum zu glauben, dass wir gestern das Hotel suchen mussten und heute gleich die ganze Stadt. Das kann ja nur besser werden.

Der dritte Trainingstag am Sonntag war auch gleichzeitig der letzte Tag des ersten Trainingsblocks, 6h richtig Radfahren ohne zu trödeln standen auf dem Plan, den es eigentlich gar nicht gibt. Der Blick in die Wettervorhersage zeigte nur Sonne an, null Niederschlag und mäßigen Wind. Zwei der drei Sachen stimmten überwiegend, von dem Niederschlag klammert der mallorquinische Wetterfrosch wohl Hagelschauer aus. "Besser als Regen", rief Olaf und mit Kette-rechts rasten wir durch die Schlechtwetterfront. Anschließend wurden wir verwöhnt von tollem Sonnenschein und großartigen Radwegen, der RANDA als Zwischenziel unserer langen Runde sollte die Sehenswürdigkeit des Tages darstellen. Von oben schauten wir in Richtung Nord-Ost und konnten Alcudia zumindest erahnen, die Route war somit klar definiert. Doch diese Rechnung machten wir ohne sämtliche Fixpunkte, die einem die Natur oder auch das Navi anzeigt, statt in Richtung Heimat fuhren wir doch tatsächlich in die entgegengesetzte Himmelsrichtung. Erst als wir förmlich von der Insel fielen, merkten wir dass etwas faul zu sein scheint. Der eingelegte Orientierungshalt offenbarte unser Missgeschick, entgegen unserer Abmachung, niemals einfach so umzudrehen, richteten wir die Räder neu aus und es ging zurück in Richtung Lluc Major, wo wir eigentlich gar nicht mehr hinwollten.
Von da aus ging es in einen ebenso tollen Radweg, der uns in Richtung "Heimat" bringen sollte. Dies machte er auch sehr gut, null Autoverkehr sind schon sehr schön. Ich starrte so vor mich hin und zählte die Stunden, bis wir am anderen Ende der Insel wieder ankommen würden, da vernahm ich ein "Ach du Scheiße" von meiner rechten Flanke. Olaf erkannte zuerst den bevorstehenden Trail, unserem ungeschriebenen Gesetz entsprechend drehten wir nicht eben einfach so um, sondern als Mountainbiker kann man auch damit gut umgehen und die 1,5km Schotter, Fels und Sand machten richtig Laune!
Ohne Reifenschaden mit dem schmalen Conti GrandPrix 4000s erreichten wir wieder Asphalt unter den Schlappen und die Reise konnte weitergehen. Dies ging danach so sehr, dass wir weder die Flaschen neu befüllten, noch einen Zwischenstopp einlegten. Nach 6h erreichten wir mal wieder als Letzte das Hotel, weitere 170km wurden gutgeschrieben.
Ziemlich im Eimer schleppten wir uns zu Tisch, alles drauf was geht und dann hinein in den Bauch, ohne Rücksicht auf Magenschmerzen wurde einfach alles verputzt, zudem schmeckt es mittlerweile auch sehr gut.

Tag 4 im Trainingslager ist der erste Ruhetag, scheinbar nutzt Petrus diesen, um das Land reichlich zu bewässern. Ich nutzte ihn zum Schreiben dieses Berichts sowie zum Laufen, selbst die Sonne zeigte sich später von ihrer besten Seite und rundete dieses Ruhetag mit einem Weltklasse-Café-con-Leche ab. Olaf bevorzugte die Rücken- bzw. Bauchlage im Bett und zur umfangreichen Organisation der kommenden Saison.

Seit heute sind auch Gregor Kazun und Jochen Hansch dazugestoßen, für Olaf und mich stehen morgen die ersten echten Berge auf dem Plan. Hoffentlich macht uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung, ansonsten muss Olaf mit mir doch noch laufen gehen...