Training

Alles rund um das Training


Trainingslager 2013 Mallorca

zum Dritten...

Wie auch schon im letzten Trainingsblock haben wir auch in der nun abgeschlossenen Phase 3 sämtliche "Lehrbücher" gnadenlos missachtet. Das Wetter war aber auch einfach nur zu schön, um mit Halbgas durch das Land zu ziehen.
Vier Tage in Folge wurden im dritten Trainingsblock aneinandergereiht, entweder war die Dauer der Ausfahrt hoch oder die Belastung, meist jedoch beides.
Das erste Training nach dem letzten Ruhetag war wie erwartet, hart und härter. Zum einen durch den vorangegangenen Regen, der die ganze Insel flutete und am Ruhetag auch wirklich zur Ruhe zwang, zum anderen durch die gewählte Topographie. Orient, Coll d`honor, Sóller und wieder zurück. Wer so eine Straße wie die nach Sóller gebaut hat, dem gebührt eigentlich ein Denkmal auf dem Gipfel, ein Traum. 2.200hm auf 156km in 6h, Pause gab es wie immer keine, das Wetter stand uns gemäßigt gegenüber, die Aussichten auf die nächsten Tage waren ebenso vielversprechend.

Tag 2 war der Anstrengendste von den vier Trainingstagen, mit Olaf am Hinterrad bin ich 173km im Dauerintervall gegen den Wind gefahren, wiedermal 6h Fahrzeit lassen diese Messlatte zum Standard werden. Wer allerdings glaubt, dass Olaf sich im Windschatten ausruhen konnte, dem sei gesagt, dass durch permanenten "Kreiselwind" er mehr damit zu tun hatte den Sog zu finden, als mein Hinterrad zu verlieren. Am Ende dieser Trainingseinheit waren die 1.000km im Trainingslager überschritten, trotz des teils miserablen Wetters zu Beginn konnten wir fleißig Meter machen und die Form vorantreiben. Auch konnten wir auf dieser Tour was für die örtlichen Gastronomen tun, ein schmackhaftes Baguette und Cafè con Leche sind einfach unschlagbar. Da ich nun aber wirklich genug vom Bolzen in der Ebene hatte, musste für den Folgetag eine andere Lösung her.

Der mittlerweile angereiste Basti Golz bot Olaf die Möglichkeit an, in seiner Trainingsgruppe flach über die Insel mitzufahren, mich zog es mehr an den Berg. Da diese hier reichlich vorhanden sind, wählte ich einfach den mit der kürzesten Anfahrt aus. Am Anstieg in Richtung Cap de Formentor fuhr ich verschiedenste Intervalle, am Nachmittag ging ich nochmal alleine auf eine flotte Grundlagenrunde, 5,5h verdammt schönen und intensiven Trainings waren im Trainingstagebuch gebucht, getreu unserer unausgesprochenen Abmachung, nie U150 (unter 150km) zu sein, wurden mit einer kleinen Extraschleife 151,4km und 1.960hm gutgeschrieben.
Olaf konnte mit seinen Weggefährten 175km erzielen, am Abend wurden die fehlenden Kohlenhydrate wie gewohnt auf unmögliche Art und Weise wieder aufgefüllt, aber was muss das muss, sonst geht am Folgetag nicht viel zusammen. Und der folgende Tag sollte es nochmal in sich haben!

Olaf, der aus Angst auseinanderzufallen mittlerweile nur noch in Kompressionssocken, Kompressionshose und Funktionsshirt schläft, fragte bei Proficoach Thomas Schediwie nach, ob seine Zöglinge nicht an unserer Fahrt über die echten Berge teilnehmen wollten. Diese willigten ein und mit den drei Nachwuchssportlern und Basti mit seiner Reisebegleitung ging es zu acht in Richtung Sa Calobra, dem wohl am meisten gefürchteten Berg der Insel. Schon in den ersten Anstiegen wurde fleißig am Horn gezogen, die Abfahrt hinunter direkt in die Bucht Sa Calobra war schon ein deutliches Ausrufezeichen! Starker böiger Wind verlangte nach kräftigen Händen am Lenker, die ungezählten Serpentinen erforderten noch reichlich Belag auf der Bremse. Unten wurden Klamotten verpackt und mit Schmackes ging es wieder empor, die Steigung teils weit jenseits der 10% war das eine Problem, der rotierende Wind das andere. Dieser blies so stark, dass er mir die Brille aus dem Helm wehte...
Oben am Berg trennten sich dann unsere Wege, Olaf und ich fuhren in Richtung Port de Sóller um Eis zu essen, die anderen Jungs zog es in Richtung Heimathafen. Nach dem Genuss des wohl teuersten Eis der Insel ging es wieder zurück über die Passstraße des Puig Major, aufziehende Wolken und Sturm machten uns schnelle Beine und nach 45min Bergauffahrt ging es quer über die Berge durch die tiefhängende Wolkendecke in Richtung Ostküste.

Mit wohl mal richtig viel Glück im Gepäck blieben wir sogar trocken, wurden nicht ins Meer geweht und auch auf der Straße stehende Schafe brachten uns nicht zu Fall, wobei es schon ziemlich knapp wurde. Auch hatten wir mit der Wunderwaffe RED KICK von Verpflegungspartner MULTIPOWER noch Getränkepulver für den Nachbrenner im Gepäck, nur ohne Geld für Wasser (das Eis war wirklich teuer!) rückt der Señor oben am Sa Calobra doch tatsächlich nichts raus.
Mit 160km, 3.300hm und 6:09h Fahrzeit erreichten wir mit schmerzendem Hintern das Ziel, übrigens finden wir unser Hotel mittlerweile selbst im Schlaf...

Den heutigen Ruhetag lassen wir jedoch nicht in der selben Ruhe angehen wie den letzten, Krafttraining, Gymnastik und eine kleine Runde auf dem Rad und/oder Laufen bereiten auf die noch ausstehenden zwei Bergtage vor, einer davon soll mit Unterstützung des Wetters der sogenannte Küstenklassiker über 218km und einem ganzen Ar... voll Höhenmeter werden. Am Donnerstagabend werden dann die Räder eingepackt und am Freitag ist das Trainingslager final beendet. Bis jetzt können wir auf eine sehr gelungene Zeit zurückblicken, 1.400km in 9 Trainingstagen mit knapp 17.000 Höhenmeter sind unser bisheriges Arbeitszeugnis.

Noch ein Nachtrag zu einem Trainingslagerupdate auf unserer Facebookseite:
Dort schrieb ich, dass Olaf mittlerweile nur noch 52kg wiegt. Das war natürlich völliger Quatsch, es sind nämlich nur noch 50,5kg...

Die komplette Bildergalerie gibt es hier!

FOTOS: Focus RAPIRO Racing